Eine liebe Freundin von der vegetarischen Initiative schrieb mir gestern, dass ihr Amazon nicht gefällt, weil sie Tierprodukte verkaufen.
Hier meine Antwort an sie.
Mir gefällt das auch nicht!
Ich kriege allerdings ohne sie auch manche ausländischen Bücher nicht, die ich für meine vegane Arbeit brauche.
Für mich gehören Fleisch enthaltende und vegetarische Kochbücher absolut zu den Tierqual fördernden Produkten. Und wenn Du mal ein bisschen in den deutschen Onlineshops und normalen Buchgeschäften stöberst, findest Du da ganz üble Sachen. Auch Bücher für Jäger und Jagdfreunde, Bücher über Tierpräparation und andere Scheussligkeiten. Auch wer vorzugsweise national verwirrt nur bei eindeutig deutschen Firmen kauft, kauft eher bei deutschen Shops.
Dass meine Buchempfehlungen über eine Amazon-Shopanbindung gehen, hat damit zu tun, dass ich seit Jahren nicht dazu gekommen bin, die Buchempfehlungen noch mal neu und ganz ohne Shopanbindung zu gestalten. Ohne Amazon würde ich gar keine Buchempfehlungen erstellt haben, da alle anderen Shops noch viel aufwändiger in der Einrichtung waren. Eine gründliche Prüfung aller in Frage kommenden Onlineshops in allen – auch den inhaltlichen Aspekten – hat mich damals Amazon wählen lassen. Die Alternative wäre für mich nur Eigenimport und eigenhändiger Verkauf – was ich derzeit nicht realisieren kann.
Wenn ich zuerst zum Beantworten all meiner E-Mails käme, würde ich mich wohl auch wieder um diese alten Seiten kümmern. Rauswerfen werde ich sie aber auch nicht, weil die vorgestellten Bücher mir zu wichtig sind. Wusstest Du übrigens, dass Amazon die beste Möglichkeit ist, schnell eigene Bücher zur veganen Ernährung in einem Shop zu präsentieren und sie weltweit einem Publikum zugänglich zu machen?
Ganz nett zu erfahren wäre, wie viel der Löhne bei Amazon und vergleichbaren Firmen von den Mitarbeitern in Fleisch, Fisch und Eier investiert werden, wie viel Kleidung aus Kinderarbeit und gefährlichstem Chemieeinsatz, wie viel Computer und Technikzeugs sie wie oft von Hunde essenden Chinesen kaufen, mit wie viel Plastik sie Meere und übrige Umwelt verdrecken und wie viele von ihnen sich aktiv im Tierschutz engagieren. Auch da werden sich die Buchshops nicht viel nehmen.
Kein Konsum in allen Bereichen ist immer der nachhaltigste Konsum. Dann kann man sein Geld dahin stecken, wo es den grössten Nutzen für die eigenen veganen Ziele entfalten kann. Gleich danach kommt der vegan-biologische Konsum bei ausschliesslich vegan-biologischen Anbietern, deren Mitarbeiter ebenfalls vegan-biologisch leben (das ist leider noch seltener). Wenn man Bücher verkaufen möchte, empfiehlt man am besten nur vegane Bookshops, die den vorgenannten Prinzipien entsprechen. Leider wird das Angebot dann nur sehr schmal ausfallen – insbesondere bei den wirklich lohnenden veganen Rohkosttiteln, die den herkömmlichen Meinungen widersprechen. Der Import dieser Bücher von mehreren Autoren und Verlagen gestaltet sich dann allerdings sehr kompliziert und ist für eine arbeitende und auch sonst im Tierschutz engagierte Person allein kaum realisierbar.









Ich versuche gerade, den Einwand deiner Freundin zu verstehen. Es wäre natürlich super, wenn man alle Anbieter boykottieren könnte, die tierische Produkte verkaufen. Leider könnte ich zumindest dann nicht mal mehr beim Kiosk um die Ecke einkaufen, geschweige denn im Bioladen. Oder geht es ihr vor allem um so Produkte wie Gänsestopfleber und Daunenbetten aus Lebendrupf, weshalb Amazon auch schon angeprangert wurde?
Das denke ich, sind die Dinge, um die es ihr geht. Ich war neulich in Frankreich auch wieder entsetzt, in wie vielen Geschäften Gänsestopfleber angeboten wurde. Wie man mit diesen Tieren umgeht, ist einfach noch mal eine besondere Grausamkeit. Normalerweise kommen wir mit dem Problem ja kaum in Berührung.
Was Daunen angeht, muss sich natürlich niemand einbilden, dass er in einem normalen Geschäft Daunen oder Federn in Bettzeug oder Schlafsäcken bekommt, die verlässlich frei von Lebendrupf sind. Und auch die tot gerupften Tiere haben in der Regel kein schönes Leben gehabt.
Was Du von Bioläden schreibst, ist natürlich ebenfalls wahr. Auch sie sind mit ihren Angeboten an Fleisch, Fisch, Milch und Eiern zu einem großen Teil Leichenhallen. Was haben wir uns daran schon gewöhnt, seit diese Dinge zum Standardangebot der Bioläden geworden sind.
Es gibt eigentlich nur die Möglichkeit, ausschließlich in Veganläden zu kaufen und von veganen Verlagen in veganen Buchläden. Davon sind wir sicherlich jedoch wie die meisten weit entfernt.
*lächelt* Man könnte sogar noch weiter gehen… wie viele der Kochbücher wurden auf umweltfreundlichem Papier ohne Bleiche gedruckt? Gibt es eigentlich Druckfarben ohne Umweltbelastung? Und: ernähren sich die Autoren wirklich streng vegan-biologisch?
Ich denke es gibt so viele Fragen, die man gar nicht stellt, weil man die Antwort fürchtet…
Aber: Jeder sollte nach eigenem Wissen und Gewissen handeln – und für die Anregung und die Tipps dazu meinen Dank, Christian!